Wo suchen Studierende nach Jobs?

Eine Frage, die uns natürlich schon länger beschäftigt, ist, wie und vor allem wo Studierende eigentlich nach Jobs suchen? Google? Arbeitsamt? Also habe ich in einem kleinen „Selbstversuch“ mithilfe der Suchmaschine das Web ca. 30 Minuten lang nach Studenten- und Absolventenjobs durchforstet. Das ist natürlich eine recht kurze Zeit, aber gleichzeitig wollte ich auch sehen, wie weit ich innerhalb dieser Zeitspanne komme – meine Befürchtungen wurden übertroffen …

„Dein Job rettet die Welt“ – sieht so ein seriöses Angebot aus?!

Der Suchbegriff „Jobsuche Student“ ergibt zwar jede Menge Treffer (mehr als 3 Mio., um genau zu sein), was auch nicht verwundert, doch bei dieser großen Vielzahl den Überblick zu behalten, ist recht schwierig. Zweiter Versuch, ich grenze die Region ein: „Jobsuche Student Rheinland-Pfalz“ – also bundeslandspezifisch. Die Ergebnisse werden weniger (dennoch mehr als 1 Mio.), aber sobald ich mich auf einigen der Treffer umsehe, beschleicht mich das Gefühl, dass der Großteil der dort angebotenen Stellen gar nicht in Rheinland-Pfalz direkt verortet ist, wie sich nach einem Klick auf die einzelnen Angebote bestätigt. Viele scheinen noch dazu mehr als dubios zu sein. So locken häufig die Überschriften wenig seriös mit einem horrenden Verdienst – oder gar mit „Dein Job rettet die Welt“. Hinzu kommt, dass die Zahl der Treffer auf den einzelnen Seiten eher gering ist (meist etwa 100) im Verhältnis zu der Größe des Bundeslandes, in dem es doch mehrere größere Städte gibt. Praktika und Werkstudentenstellen bzw. Nebenjobs, die in irgendeiner Form fachlichen Bezug haben, sind nur ganz vereinzelt vertreten. Insbesondere regionale mittelständische Firmen sind überhaupt nicht zu finden. Auf Anhieb habe ich keine einzige Seite gefunden, die einen einigermaßen vernünftigen Überblick bietet.

Ingenieur gewinnt

Für Absolventen stellt sich die Situation noch schwieriger dar. Auch hier bringt die Suchkombination „Jobsuche Absolvent Rheinland-Pfalz“ zwar einige Treffer („nur“ noch 200.000), doch die aufgerufenen Seiten bieten fast immer ein anderes Bild: Entweder werden die Stellen dann doch „bundesweit“ ausgeschrieben oder die Firmen sind außerhalb von dem Bundesland angesiedelt, in dem ich suche. Regionale Firmen sind auch hier kaum vertreten. Und noch etwas anderes fällt auf: Die gefundenen Jobangebote sind fast ausschließlich in der digitalen Industrie verortet – also von solchen Firmen, die sich täglich sowieso ausgiebig mit dem Internet beschäftigen, somit auch eine höhere Affinität zu Stellenanzeigen im Internet haben. Was auffällt: Für die allermeisten Abschlüsse sind im Internet über diese Stellenbörsen überhaupt keine Angebote zu finden. Die besten Chancen haben scheinbar Ingenieure und BWL-Absolventen. Ich muss nur am Rande erwähnen, dass es umso problematischer wird, je mehr man bei der Suche die Region eingrenzt. Regionale mittelständische Firmen sind auch hier nicht vertreten.

Bei einschlägig bekannten Jobbörsen ist das Problem dagegen meist ein anderes: hier lässt sich leider meist nicht die Statusgruppe auswählen – also ob man als Student oder Absolvent eine Stelle sucht – weswegen man sich durch eine große Fülle an Stellen durchkämpfen muss, um dann festzustellen, dass keine geeignete dabei ist.

Auf den ersten Blick: Enttäuschende Bilanz

Insgesamt ist mein Feldversuch mehr als enttäuschend. Zwar habe ich dafür auch nur relativ wenig Zeit aufgewendet, aber das zeigt auch, wie viel Zeit man investieren müsste, um nach geeigneten Jobs, egal, ob Neben- oder Vollzeitstelle, zu suchen. Und ich befürchte, dass auch mit einem immensen Zeitaufwand dabei nicht viel herauskommen würde. Das kann aber doch nicht der Sinn der Sache sein? Auf der einen Seite ist aus aller Munde der Begriff „Fachkräftemangel“ zu hören, auf der anderen Seite wissen die vorhandenen Fachkräfte nicht, wo sie überhaupt suchen sollen …

Uns interessieren eure „Karrieresprünge“: Wie habt ihr euren Studentenjob gefunden? Wie seid ihr nach dem Studium ins Berufsleben gestartet? Vor allem wie sucht Ihr und was würdet Ihr euch wünschen, wenn Ihr die Suche optimieren würdet?

Berufseinstieg mit Bachelor?

Ein Artikel auf Spiegel Online zum Thema Berufseinstieg von Bachelor- und Masterstudenten hat uns dazu veranlasst, eine Umfrage auf unserer ALPHAJUMP-Fanpage auf Facebook zu starten. „Berufseinstieg mit Bachelor – sind Bachelor überhaupt Akademiker oder ist der Master ein Muss?“ – lautete die Frage. Auch wenn die Umfrage natürlich nicht repräsentativ ist, lieferte sie mir einen Anlass, einige Überlegungen zur Praxiserfahrung während des Studiums anzustellen.

Studierende sind sich unsicher

„Kommt auf den Studiengang/die Hochschule an“ – wurde von der großen Mehrheit geantwortet. Das zeigt meiner Ansicht nach vor allem eins: Unsicherheit und Skepsis vieler Studierender hinsichtlich der seit der Bologna-Reform eingeführten Studienmodelle. Denn viele BA/MA-Studiengänge, die an den „klassischen“ Studiengängen angelehnt sind, erwecken auf den ersten Blick den Eindruck, mit der heißen Nadel gestrickt zu sein. Alte Inhalte wurden sortiert, zusammengekürzt, neu strukturiert und in ein anderes Format gepackt. Die Folge ist in den meisten Fällen eine Überfrachtung mit Lehrinhalten und eine nun stark verschulte Struktur – vielen Studierenden fehlt die Selbstbestimmung im Studium und nur die wenigsten haben die Zeit, gleichzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Immerhin hat sich ein Ziel der Bologna-Reform bisher scheinbar bestätigt: Die Absolventen beenden ihr Studium früher. Dies lässt zumindest eine Studie vermuten. Dennoch scheinen viele Studierende sich nach ihrem Bachelorabschluss noch nicht ausreichend auf den Beruf vorbereitet zu fühlen und entschließen sich für einen aufbauenden Masterstudiengang.

Kommt es tatsächlich auf Studiengänge und Hochschule an?

Aus eigener Erfahrung neige ich dazu, dem zuzustimmen: Gerade in den geisteswissenschaftlichen Fächern erscheint der Bachelor kaum ausreichend, Praxiserfahrung zu vermitteln, um einen sofortigen Berufseinstieg zu gewährleisten. Als Absolventin eines solchen Faches und zudem ehemalige Magister-Studentin wage ich zu behaupten, dass sechs Semester Bachelor in einem geisteswissenschaftlichen Fach gerade einmal ausreichen, um die Grundlagen der einzelnen Disziplinen zu vermitteln. Hinzu kommt die Unsicherheit, die ein solches Studienfach hinsichtlich der späteren Berufswahl in sich birgt. Denn es bietet sich für die Absolventen kein klar umrissener Stellenmarkt. Die wenigsten Studierenden in geisteswissenschaftlichen Fächern wissen bereits während ihres Studiums, wie es danach beruflich weitergehen soll. Gerade in diesen Fächern ist eine möglichst frühe Praxisorientierung also besonders wichtig. Leider führt dies häufig zu einem anderen Problem: Durch die Menge an Inhalten und die straffen curricularen Vorgaben der einzelnen Studiengänge bleibt genau dafür nicht genug Zeit – es sei denn, man leistet sich doch ein paar Semester mehr. In unserer Umfrage zeichnet sich dies mit ein wenig Interpretationsspielraum in den Stimmen für die „alten“ Studienabschlüsse wie Magister und Diplom ab. Denn diese boten einen größeren Spielraum, sich durch Spezialisierung innerhalb des Faches oder durch Praktika einer späteren Berufswahl anzunähern.

Auf den ersten Blick scheint die Situation in Fächern, wie beispielsweise BWL, Informatik oder Bereiche der Wirtschaftswissenschaften, denen sich ein klareres Berufsbild und ein breiteres Stellenangebot eröffnet, anders zu sein. Ausschlaggebend dafür ist, dass in diesen Fächern häufig ein Praktikum fester Bestandteil des BA-Studiums ist. Denn auch hier spielt die Verbindung zwischen theoretischen Inhalten und praktischer Umsetzung eine große Rolle für den späteren Berufseinstieg. Jedoch ist zusammengenommen immerhin ein Viertel der Meinung, dass die wichtigsten praktischen Fähigkeiten erst im späteren Beruf erlernt werden bzw. dass viele sich erst mit einem Masterabschluss gut auf das Berufsleben vorbereitet fühlen.

Fazit

Insgesamt scheint sich somit die Aussage „Kommt auf den Studiengang/die Hochschule an“ zu bestätigen. Der Stellenwert der Praxiserfahrung wird dadurch keineswegs gemindert, sondern viel mehr untermauert. Denn die Unsicherheit bezüglich der späteren Berufswahl können die Art der Hochschule oder der Studiengang den Studierenden nicht nehmen. Ausschlaggebend ist letztlich immer, wie klar die Vorstellungen des Einzelnen hinsichtlich des Berufswunsches sind und mit welchen Mitteln dieses Ziel verfolgt wird.