Work & Travel: Neuseeland

Direkt nach dem Abitur arbeiten oder studieren? Viele Schulabgänger haben da inzwischen weniger Lust drauf. Besonders weil die Gelegenheit, sich jetzt eine Auszeit zu nehmen, zu diesem Zeitpunkt am günstigsten ist – wer weiß, ob man sich nach dem Eintreten ins Berufsleben jemals wieder mehr als 3-4 Wochen Urlaub nehmen kann. Neben Freiwilligenarbeit oder Au-pair entscheidet sich der Großteil inzwischen für Work & Travel, die beliebtesten Ziele hierfür sind Australien und Neuseeland – gerade weil man quasi nicht weiter weg von daheim sein kann.

Wie sieht so eine Auszeit aus und was macht man alles? Jonas war in Neuseeland und kann euch ein paar Sachen über sein Gap-Year verraten.

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Wer macht denn sowas?

Warum Wieso Weshalb sollte man sich für mehrere Monate vom gemütlichen Zuhause und Mamas Essen entfernen, nur um sich sein Hostel-Zimmer dann mit 7 anderen Leuten teilen zu müssen und dafür auch noch einen 28-Stunden-Flug in Kauf nehmen? Wer kommt denn auf so Ideen?

Natürlich hat das Leben eines Backpackers einen ganzen Haufen an Nachteilen – Mama/Papa können nicht besonders viel machen, wenn man 18.000 km Luftlinie von Daheim irgendwelche mittelschweren Probleme bekommt. Dein Auto bleibt liegen? Musste dich selber drum kümmern. Keine Ahnung, wie du ein Bankkonto eröffnest? Musste dich selber drum kümmern. Kein Geld mehr und du findest seit Tagen schon keinen Job? Einfach von den Eltern abholen lassen wird da auch eher schwierig… Aber gerade durch das ‚ins-kalte-Wasser-geschmissen-werden‘ lernt man extrem schnell und viel, wird um einiges selbstbewusster und gleichzeitig auch wesentlich entspannter (die ‚klappt schon – lass machen‘ Einstellung kommt ganz schnell und garantiert).

Ganz abgesehen davon überwiegen meiner Meinung nach ganz klar die Vorteile, wer keinen festen Wohnsitz und alles andere als Verantwortung hat, der kann auch quasi machen was er will – wenn der eine Ort zu langweilig wird und man keine Lust mehr hat dazubleiben, guckt man sich halt um, wo’s denn spannender ist und fährt dahin. Du hast jemanden kennengelernt, mit dem du gerne ein paar Tage oder Wochen rumreisen möchtest? Dann kündigst du den Job halt und fährst mit dem mit – sowas wirst du in Deutschland sehr wahrscheinlich nicht machen; Verpflichtungen, der Job, das Studium und die Eltern sorgen ja öfters dafür, dass man sich dann eher auf die langweiligen Dinge konzentriert, als spontan und abenteuerlustig zu sein. Natürlich sollte man sich diese Einstellung nicht langfristig aneignen, aber wenn das Auslandsjahr die letzte Etappe vor dem Karrierestart darstellt, ist es durchaus akzeptabel, noch ein Mal frei von Bindungen die Jugend zu genießen – bevor der Ernst des Lebens dann richtig los geht.

 

Work & Travel in Neuseeland

Nach Neuseeland wollte ich eigentlich schon immer, die Vorstellung, sich innerhalb eines  Tag nach dem Skifahren durch einen Urwald zu zwängen und danach am Strand zu entspannen (ja, das klappt da wirklich) hat  mich seit jeher schon gereizt. Eigentlich wollte ich mein Austauschjahr ursprünglich dort machen, das wurde dann aber gecancelt weil schon ein halbes Jahr dort mehr kostet, als ein neuer Kleinwagen (und der dann eher von BMW oder Audi). Nach dem Abitur habe ich dann erstmal ein halbes Jahr gearbeitet um mir das Ganze zu finanzieren und einen gewissen Puffer anzulegen.

Was macht ein Backpacker so, wenn er in Neuseeland ist? Ich unterteile das Backpacker-Leben gerne in zwei Phasen: Geld und kein Geld. Geld da = weiterreisen, kein Geld = Arbeit! Auch auf die Gefahrneuseeland-work-and-travel hin, dass jetzt viele von Euch enttäuscht sind, den Großteil der Zeit in Neuseeland verbringt man mit den Arbeitsphasen (4 ½ meiner 6 Monate habe ich arbeiten müssen), Neuseeland ist wirklich extrem teuer – egal in welcher Hinsicht. Allein für Miete und Nahrung zahlt man hier mindestens 150 % der deutschen Preise, zwar liegt der Mindestlohn ein wenig höher (zu meiner Zeit bei 15,75$ (= ca. 10,40€)), aber das gleicht die wesentlich höheren Lebenshaltungskosten nicht aus – ein Aspekt, welcher daran erinnert, wie hoch doch die deutsche Kaufkraft und die allgemeine Lebensqualität bei uns eigentlich ist.

Nichtsdestotrotz ist arbeiten als Backpacker in Neuseeland nicht das gleiche wie in Deutschland – selbst wenn man den gleichen Beruf ausübt. Dadurch, dass man meistens in Hostels, größeren WGs oder Ähnlichem lebt, hat man immer andere junge Menschen um sich rum und verbringt einfach sehr viel Zeit mit Unterhaltungen oder dem ein oder anderem Feierabendbier mit Leuten aus der ganzen Welt.

Natürlich lebt man für die 2. Phase, das mit-Geld-Reisen. Ob mit dem eigenen Auto, per Bus, Anhalter oder zu Fuß (der berühmte Te Araroa-Wandertrack führt vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt Neuseelands (über 3.000 km) und es gibt genug Menschen, die den wirklich von Anfang bis Ende komplett zu Fuß durchgezogen haben) – irgendwie kommt man immer dahin wo’s hin soll. Und dabei kann ich wirklich sagen, dass Neuseeland definitiv eins der wunderschönsten Länder auf dieser Erde sein muss. Die Landschaft, vor allem auf der Südinsel, ist immer atemberaubend und einfach nur mit dem Auto die Highways entlang zu fahren, um alle 20 Minuten anzuhalten und sich Aussichten, Strände, Naturparks oder Wasserfälle anzugucken, lohnt sich definitiv (Besonders auf der Südinsel gibt es so viele einfach zu erreichende Wasserfälle, dass diese nach einer gewissen Zeit fast schon langweilig werden ( – fast)):

Das halbe Jahr, welches ich in Neuseeland verbracht habe, war zwar genug Zeit um Viel mitzunehmen, auf jeden Fall aber nicht alles – ohne Probleme kann man hier 2 Jahre verbringen und sich trotzdem nicht satt sehen. Ich kann jedem, der Zeit und Geld hat, wirklich nur ans Herz legen, sich selber von Neuseeland zu überzeugen.

 

Work & Travel: Zeitverschwendung?

Viele Menschen behaupten auch heute sogar noch, ein Gap Year wäre reine Zeitverschwendung und man neuseeland-auslandsaufenthaltwürde sowieso nur feiern, faulenzen und nichts tun (trifft zwar auch irgendwo zu), aber abgesehen davon, dass man extrem schnell sehr selbstbewusst und erwachsen wird, macht sich das Gap-Year eher positiv auf dem Lebenslauf bemerkbar – immerhin arbeitet man in einem anderssprachigen Land, kann sehr viel über andere Kulturen lernen und beweisen, dass man in der Lage ist auf eigenen Beinen zu stehen. Bis jetzt habe ich persönlich noch keine negative Rückmeldung zu meiner Auslandserfahrung seitens meiner Arbeitgeber erhalten, im Bewerbungsgespräch wird man häufig auf die Zeit im Ausland angesprochen und dadurch, dass man dann einfach ein wenig erzählen kann, lockern sich sowohl die allgemeine Stimmung, als auch die eigene Anspannung.

Ich persönlich bin auch der Meinung, dass sich die Wenigsten bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit im Leben von 34,5 Jahren (laut Eurostat) drüber ärgern würden, nicht doch noch ein halbes Jahr früher angefangen zu haben.

 

Geheimtipp für Urlaubsarme und Sparfüchse

Du hast Lust auf Reisen/Backpacken, aber nicht die Zeit beziehungsweise das nötigte Kleingeld? Dann kann ich Dir Südostasien nur ans Herz legen. Auch wenn in einem eher kleinen Zeitraum von 2 – 6 Wochen das „Backpacker-Gefühl“ vielleicht nicht zu 100% aufkommt – die Zeit lässt sich definitiv genießen. Dazu kommt, dass die Flüge nach Singapur, Bangkok, Kuala Lumpur oder Jakarta sich wirklich im bezahlbaren Bereich halten (im Gegensatz zu Neuseeland) und die Kosten für Essen, Hotels und Attraktionen extrem niedrig sind. Entgegen vieler Klischees und mancher Erwartungen ist der Großteil Indonesiens, Malaysias, Thailands, Kambodschas und so weiter wirklich extrem faszinierend und wunderschön. Bereitet euch aber auf ein Höllen-Klima vor, 35°C bei 99% Luftfeuchtigkeit (und das all day/everyday) sind wirklich kein Spaß. Work & Travel hingegen schon:).

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