Viele ungerade Wege führen zum Ziel

Gastbeitrag von Sarah Brötz, Projektkoordinatorin des Women Career Centers der Universität Koblenz-Landau am Campus Koblenz

Die letzten Prüfungen sind geschrieben, die Abschlussarbeit ist abgegeben, das Wort „Freizeit“ erlangt seine ursprüngliche Bedeutung wieder … und ein neuer Lebensabschnitt steht vor der Tür!

Neben der Euphorie und dem Stolz über das Geleistete beginnt sich ein wenig Unsicherheit breit zu machen. Wie soll und wird es nun weitergehen? Wie gestalte ich diesen neuen Abschnitt in meiner Biografie so, dass ich dorthin gelange, wo ich beruflich hin möchte? Und was ist, wenn ich das noch gar nicht so richtig weiß? Was ist, wenn mir erst jetzt klar wird, dass mich mein Studium als Mensch unglaublich weitergebracht hat, aber sich in der großen weiten Welt niemand dafür interessiert?

Nun, ich schreibe diesen Text in einer Doppelt-Funktion: einmal als Projektkoordinatorin des Women Career Centers der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, und einmal als Absolventin der Universität Mannheim, die Geschichte studiert hat. Um kurz vorwegzugreifen: Ich hätte mir vor eineinhalb Jahren niemals vorstellen können, dass ich  diesen Job machen würde und das mit so viel Freude.

Super Abschluss und dann … arbeitslos?

Ich war die typische Neigungs-Studentin. Bereits seit der Schule war mir klar, dass ich Geschichte studieren will. Erst gegen Ende des Studiums wurde mir bewusst, dass ich damit nur sehr schwer Geld verdienen können würde. Eine klare Berufsvorstellung hatte ich nicht. Vielleicht Museum oder so. Aber was dieses „oder so“ sein sollte, konnte ich auch nicht sagen. Ich konnte mir viel und gleichzeitig nichts vorstellen. Also kam nach der Euphorie eines guten Master-Abschlusses und dem Gefühl, nun „richtige“ Akademikerin zu sein, erst mal die Arbeitslosigkeit. Ein hartes halbes Jahr. Ich habe mich auf alles Mögliche beworben: erst ausschließlich auf Stellen, die meiner „Akademiker-Ehre“ zu Genüge kamen, dann, als sich meine Ersparnisse dem Ende neigten, einfach auf alles. Schließlich hatte ich die Zusage für eine Stelle als Sekretärin. Nun, mit Sicherheit nicht das, wovon ich geträumt hatte. Aber kaum war der Arbeitsvertrag unterschrieben, bekam ich Post von einem wissenschaftlichen historischen Institut, das mir eine Volontariatsausbildung anbot. Ich nahm an, packte meine sieben Sachen und zog um.

Persönliche Neigungen im Job entdecken

In dieser Zeit lernte ich viel, insbesondere, dass es wirklich sehr schwer ist, von und mit der Geschichte zu leben. Aber auch, dass es darüber hinaus noch andere Sachen gibt, die mir Spaß machen: Ich organisiere und arbeite gerne mit Menschen zusammen, und es macht mir große Freude, mich immer wieder in neue Themen hineinzudenken. Nachdem ich das Volontariat abgeschlossen hatte, zog ich wieder zurück in die Heimat. Und dort erwartete mich erneut die Arbeitslosigkeit. Mit ein wenig Abstand weiß ich, dass man sich nicht verrückt machen sollte. Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels. Doch die Situation selbst war einfach nur zermürbend. Der Reiz des Ausschlafens war nach zwei Wochen verflogen, und es folgten schrecklich lange Tage, die voll waren mit Enttäuschungen, wenn wieder eine Absage ins Haus flatterte, oder mit Selbstzweifeln. Hab ich alles falsch gemacht? Hätte ich doch besser BWL studieren sollen? Dieses Mal kam die erlösende Jobzusage schon nach vier Monaten. Ich konnte eine Mutterschaftsvertretungsstelle als Sachbearbeiterin bei der größten deutschen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit antreten. Ich lernte sehr viel im Bereich Projektarbeit und ich konnte mich sehr gut mit meinem Arbeitgeber identifizieren. Leider musste ich nach sieben Monaten wieder auf Jobsuche gehen. Durch Zufall fand ich die Stellenausschreibung der Universität Koblenz-Landau. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Endlich nach drei Jahren Odyssee durch die harte Welt des Berufseinstiegs war ich angekommen: Eine Stelle mit Perspektive, mit einem Thema, wofür ich tatsächlich „brenne“ und in einem Umfeld, wo ich mit jungen Menschen arbeiten und sie darin unterstützen kann, ihren Weg in den Job zu finden.

Nutzt die Möglichkeiten, die sich euch bieten!

Was ich anderen weitergeben möchte? Aller Anfang ist schwer, insbesondere für die meisten Geisteswissenschaftler. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema während des Studiums ist wirklich wichtig. Natürlich sollte man das studieren, was einem Spaß und Freude bereitet, aber es schadet nicht, sich im Vorfeld zu überlegen, was man damit später anfangen kann. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang herauszufinden, welche Kompetenzen man für sein Ziel benötigt, welche man bereits hat und welche man vielleicht noch erwerben muss. Nutzt dafür die vielfältigen Angebote der Hochschulen! Es ist in diesem Bereich wirklich viel passiert in den letzten Jahren. Die Hochschulen nehmen sich z.B. durch die Etablierung von Career Centern oder Career Services diesem Thema immer mehr an und die Kollegen an anderen Hochschulen haben wirklich tolle Projekte hervorgebracht. Baut euch mit oder ohne Unterstützung der Career Center ein kleines Netzwerk auf. Seid mutig und sprecht die Leute an, von denen ihr denkt, dass sie euch in irgendeiner Form weiterhelfen können. Viele freuen sich darüber und sind sehr gern bereit, Tipps und Informationen weiterzugeben. Und verzweifelt nicht, wenn nicht alles direkt so funktioniert, wie ihr es euch vorstellt! Es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels und dorthin führen nun einmal häufig ein paar Abzweigungen – sonst wäre es ja langweilig.

Vielen Dank an Sarah Brötz für ihren ausführlichen Bericht!

Habt ihr Lust, ebenfalls in einem eigenen Artikel auf unserem Blog von euren ersten Praxiserfahrungen zu berichten? Dann meldet euch einfach unter kontakt@alphajump.de

Wir freuen uns über euren eigenen Karrieresprung!

Euer ALPHAJUMP-Team

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2 Kommentare zu “Viele ungerade Wege führen zum Ziel”

  • Eugenia sagt:

    Ich denke, dass man Arbeitslosigkeit vermeiden sollte. Lieber einen miesen Job annehmen und weitersuchen als zuhause sitzen. Das fällt auf einen zurück wenn man dann was findet plötzlich merkt, dass man das “Arbeiten” an sich fast verlernt hat.

    • Hallo Eugenia,
      da ist sicher etwas dran. Aber ich befürchte, das ist nicht immer so einfach. Gerade als Hochschulabsolvent hat man ja doch einen gewissen Anspruch an sich selbst – immerhin gehört man dann ja zu der so oft genannten “Bildungselite”. Da ist die Überwindung, um es einmal überspitzt zu formulieren, einen Job als Putzfrau anzunehmen, sicher sehr groß. Was meinst Du? Hast Du vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht?

      Grüße vom ALPHAJUMP-Team

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